Am Montag zeigen wir Pandora zum ersten Mal öffentlich, auf der Gründungsmesse Niederrhein in Mönchengladbach. Vorher möchte ich erzählen, wie es dazu kam. Nicht als Produktbeschreibung, sondern als die Geschichte, die dahintersteht. Sie beginnt nicht mit Technik. Sie beginnt mit Gesprächen.
## Immer wieder derselbe Satz
In den letzten Monaten habe ich mit vielen Unternehmern über KI gesprochen. Jeder hatte einen anderen Ansatz. Manche waren begeistert und schon mittendrin, andere hielten bewusst Abstand. Aber in fast jedem Gespräch fiel irgendwann derselbe Satz, nur in anderen Worten: Wir können doch unsere Daten nicht einfach in die USA schicken.
Dieser Satz sitzt in den Köpfen. Und er führt dazu, dass viele einen großen Bogen um KI im Unternehmen machen.
Dahinter steckt mehr als ein diffuses Unbehagen. Wir sind in Deutschland an vielen Stellen von Lösungen aus den USA und inzwischen auch aus China abhängig. Dort ist nicht nur die Technologie weiter, sondern auch die Infrastruktur und die Produkte, die darauf aufbauen. Genau diese Produkte werden heute in Unternehmen gebraucht und genutzt. Und dabei leidet am Ende der Schutz unserer Daten.
Dazu kommt die Regulierung. Neben der DSGVO gilt inzwischen der EU AI Act, mit neuen Pflichten und vielen offenen Fragen. Ich erlebe Unternehmer, die damit schlicht überfordert sind. Die einen sehen vor allem den Nutzen und legen einfach los. Die anderen warten lieber ab, wollen keinen Fehler machen und verzichten. Beides ist verständlich. Nur nehmen die Abwartenden ein anderes Risiko in Kauf: im Wettbewerb abgehängt zu werden.
## Frau Müller hat längst ein Abo
Und dann gibt es noch ein Phänomen, über das erstaunlich wenig gesprochen wird: Schatten-KI.
Frau Müller aus der Buchhaltung hat vielleicht längst ein privates ChatGPT-Abo. Sie nutzt es abends für private Fragen, und irgendwann eben auch im Büro. Ich kann das gut verstehen. Frau Müller hat eine Kollegin mit ähnlichen Aufgaben, beide müssen Ergebnisse liefern, und mit KI ist sie deutlich schneller. Das wissen die Mitarbeiter. So kommen die privaten Abos ins Unternehmen.
Manche Unternehmen bemerken das und regeln es. Manche bemerken es und regeln es nicht. Und manche bemerken es gar nicht.
Das Problem dabei: Der Unternehmer ist verantwortlich, hat aber keine Kontrolle. Der AI Act verpflichtet ihn, den Umgang mit KI im Unternehmen zu regeln. Die DSGVO verlangt Schutzmechanismen, sobald Daten verarbeitet werden. Beides greift ineinander, und beides trifft ihn persönlich. Wer nicht weiß, wie seine Mitarbeiter KI nutzen, oder es weiß und nichts in der Hand hat, steht im Ernstfall ohne Antwort da.
Das ist der Alltag in vielen Unternehmen: KI ist längst da, nur ohne Kontrolle, ohne Sorgfalt, ohne Verantwortung und ohne Transparenz. Das aufzulösen ist schwer, wenn es kein System gibt, das einem diese Pflichten abnimmt.
## Und Copilot?
Natürlich gibt es eine Antwort, die viele schon kennen: Microsoft Copilot. Microsoft ist sehr gut darin, dieses Chatfenster überall einzubauen, auf dem Rechner, in Office, in jeder Weboberfläche. Man kann Agenten definieren und Abläufe bauen, und die ganze Microsoft-Welt wird Schritt für Schritt um KI erweitert. Das ist eine ernst zu nehmende Lösung, und sie ist in vielen Unternehmen schon angekommen.
Für sensible Unternehmen bleibt aber ein Thema: der Cloud Act. Wir hatten zuletzt Kunden, die eine BaFin-Lizenz beantragen. Für die steht die Microsoft-Cloud gar nicht erst zur Debatte, weil sie sich genau davor schützen müssen, dass US-Behörden auf ihre Daten zugreifen können.
Und das Fundament ist dünner geworden. Am 29. Juni 2026 hat der US Supreme Court im Fall „Trump v. Slaughter" entschieden, dass der Präsident Mitglieder der Federal Trade Commission jederzeit ohne Grund abberufen darf. Die FTC ist aber die zentrale Aufsicht im EU-US Data Privacy Framework, auf dem ein großer Teil der Datenübermittlungen in die USA beruht. Noch gilt der Angemessenheitsbeschluss. Aber er steht auf wackligen Füßen, und Klagen sind bereits angekündigt. Wenn der EuGH ihn kippt, wie schon Safe Harbor und Privacy Shield, haben wir in Deutschland ein großes Problem. Gerade weil wir uns so daran gewöhnt haben, uns auf Microsoft zu verlassen.
Wir sehen also Schatten-KI. Wir sehen Unternehmen, die KI mit hohem Risiko einsetzen, ohne den Umgang zu regeln. Wir sehen viele Versuche, eigene Lösungen mit europäischen Anbietern zu bauen, die oft zu scheitern drohen. Und wir sehen einen Platzhirsch mit einer Unternehmenslösung, die für manche nicht in Frage kommt. Das war der Grund, warum wir uns mit Pandora auf den Weg gemacht haben.
## Erst die Frage, dann die Lösung
Bevor wir über Funktionen nachgedacht haben, haben wir eine einfache Frage gestellt: Wo liegt eigentlich das Problem?
Die Antwort kam schnell. In einer potenziell unsicheren Umgebung fehlt die Transparenz darüber, wer was wann wie gemacht hat. Und dieses Problem wird gerade größer, weil KI-Systeme immer autonomer handeln. Sie greifen auf Daten zu, sie bedienen Systeme, sie handeln im Auftrag. Der AI Act verlangt genau hier menschliche Aufsicht.
Gleichzeitig verändert sich das Netz selbst. Schon 2024 kam laut dem Imperva Bad Bot Report erstmals mehr als die Hälfte des Webverkehrs von Maschinen statt von Menschen, nämlich 51 Prozent. Das Internet ist aber nach Regeln gebaut, die von menschlichen Nutzern ausgehen. Jetzt gibt es Maschinen, die schneller und präziser durch dieses Netz navigieren, als es je dafür ausgelegt war. Die bisherigen Barrieren und Erkennungsmechanismen halten damit nicht Schritt.
Stellen wir uns vor, wir wären Amazon. Wir bekämen ständig Anfragen von unzähligen autonomen Systemen. Wir müssten die Last bewältigen und uns gleichzeitig gegen Systeme wehren, die immer besser darin werden, sich Vorteile zu verschaffen. Ein Wettrüsten. Und es entsteht, weil wir nicht wissen, wer da eigentlich anfragt. Ein Mensch? Ein Assistent? Ein autonomes System? Und selbst beim Menschen sind es am Ende nur Zugangsdaten. Was passiert, wenn er sie einfach an einen Agenten weitergibt?
## Identität vom Absender her
Deshalb haben wir das Problem von der anderen Seite her gedacht. Nicht immer neue Abwehr auf der Empfängerseite, sondern schon beim Absender dafür sorgen, dass erkennbar ist: Das hier ist ein KI-System, und zwar dieses.
Technisch ist die Idee nicht neu. Kennzeichnung ist ein klassisches Identifikationsverfahren. Sie funktioniert aber nur, wenn die Identität beim Absenden mitgeschickt wird, und wenn man beim Empfang prüfen kann, ob sie stimmt.
Für diese Prüfung nutzen wir sogenannte DIDs, dezentrale digitale Identitäten, ein in der Industrie etabliertes Verfahren. Jeder Agent bekommt eine solche Identität und behält sie. Wann immer er sich irgendwo meldet, kommt sie mit. Geprüft wird sie über einen Distributed Ledger, also eine Blockchain. Nicht Bitcoin, das wäre zu schwerfällig, sondern eine deutlich schnellere, die für so etwas gemacht ist. Dort kann jeder jederzeit nachsehen, ob die Identität gültig ist und wem sie gehört, ohne Mittelsmann und ohne zentrale Stelle. Sie ist signiert und rückverfolgbar.
Wer die Details nachlesen möchte: Unser Paper dazu, das Elpis Protocol, haben wir im März auf Zenodo veröffentlicht (DOI 10.5281/zenodo.18895024), übrigens gemeinsam mit KI-Systemen geschrieben. Wir haben es bewusst offen gemacht, weil wir glauben, dass diese Frage die ganze Branche betrifft, und weil wir auf Mitstreiter hoffen.
Genau auf diesem Prinzip haben wir Pandora gebaut. Die Idee ist nicht am ersten Tag entstanden, sondern mit der Zeit, als wir uns mit dem Problem auseinandergesetzt haben. Heute bekommt aber jeder Kunde, der Pandora einsetzt, diese Identitätsschicht vom ersten Tag an: Alle seine Agenten werden auf dem Ledger registriert und tragen ihre eigene Identität. Wir wissen deshalb bei jedem Schritt, welcher Agent gehandelt hat, und können daran Rechte und Regeln festmachen. Für einen Unternehmer, der nachvollziehbar dokumentieren und Gesetze einhalten muss, ist genau das entscheidend. Menschen sind in Pandora über ihr Konto eindeutig identifiziert, Agenten über ihre prüfbare Identität, und beide bewegen sich nach denselben Regeln. Ein Agent ist bei uns eine Entität, die einem Benutzer sehr ähnlich ist. Dass eines Tages auch Menschen so eine digitale Identität mitführen, halte ich übrigens für ausgemacht. Mit der europäischen digitalen Brieftasche kommt sie für uns als Bürger ohnehin. Dann treffen sich beide Seiten beim selben Thema.
So ist Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI möglich geworden, mit einer Transparenz, die es so nach unserem Wissensstand in keinem anderen System gibt. Geboren aus der Unsicherheit, die wir im deutschen Markt gespürt haben.
## Wie es eigentlich anfing
Die eigentliche Idee zu Pandora kam übrigens von ganz woanders her. Die großen Anbieter wie Anthropic und OpenAI bieten neben dem Chatfenster im Browser auch Programme für die Kommandozeile an. Die gab es schon sehr früh, nur waren sie für normale Nutzer nie attraktiv. Für Entwickler waren sie dagegen früh das Werkzeug der Wahl.
Wir haben uns ebenfalls früh damit beschäftigt und sind dabei geblieben. Dabei haben wir schnell gemerkt, wo die Grenzen liegen, und nach Wegen gesucht, das zu skalieren: mehrere dieser Agenten auf einem System starten, nebeneinander arbeiten und miteinander reden lassen. Das war die Geburtsstunde von Pandora.
Um dieses Prinzip herum haben wir alles Weitere gebaut. Jeder Agent bekommt seine eigene, abgeschottete Umgebung mit eigenen Dateien, eigenem Profil und eigenem Gedächtnis. Unser erster Anwendungsfall war Software-Entwicklung. Wir haben mit Pandora die Oberfläche von Pandora gebaut. Das klingt verrückt, aber so kamen wir sehr schnell voran. Daraus sind ein eigener Entwicklungsprozess, ein ganzes Ökosystem und die Weboberfläche entstanden, über die wir unsere Agenten heute steuern.
## Ein universeller Mitarbeiter
Bewusst haben wir nicht auf Low-Code-Baukästen wie n8n, Make oder Zapier gesetzt. Wir kommen selbst aus der Integration. Ich bin seit über 25 Jahren in der IT unterwegs, als Consultant, auf Kundenseite, als Geschäftsführer eines IT-Dienstleisters und zuletzt mit K-BITE und jetzt EFINITI als Managed Service Provider für den Mittelstand hier in Mönchengladbach, als Partner unter anderem von Microsoft, Sophos, Lenovo und Synology. Wir verbinden seit vielen Jahren Systeme miteinander: SAP mit Logistikern, CRM mit Vertrieb und vieles mehr. Diese Werkzeuge sind im Kern Middleware, die an einer Stelle noch ein Sprachmodell aufruft. Ein Mapping bleibt aber ein Mapping. An vielen Stellen ist KI dort schlicht falsch eingesetzt. Ehrlich gesagt stellen wir in Projekten oft fest, dass KI gar nicht das Mittel der Wahl ist.
Pandora will keine Schnittstellen bauen. Pandora ist eher ein universeller Mitarbeiter. Alles in der IT ist am Ende Code. Ein Agent, der zu den besten Programmierern gehört, kann deshalb fast jedes System erschließen. Ein Beispiel aus unserem eigenen Alltag: Wir nutzen Odoo als ERP. Anfang 2025 gab es für unser Odoo noch keinen passenden MCP-Server, also keinen Anschluss für KI-Assistenten. Wir haben einem Agenten in Pandora die Schnittstellenbeschreibung und einen Zugang gegeben. Wenige Tage später hatten wir einen funktionierenden Anschluss, und andere Agenten konnten Aufgaben in Odoo übernehmen, die vorher nur Menschen erledigen konnten.
## Was die Gründerin am Montag davon hat
Und damit zu der Gründerin, die am Montag an unseren Stand kommt. Sie hat eine Idee, vielleicht zwei Mitstreiter und andere Sorgen als Compliance: Organisation, Haftung, Liquidität, wer macht was. Völlig zu Recht. Aber sie unterliegt denselben Gesetzen wie jeder andere Unternehmer, und das holt einen irgendwann ein. Wer seine Prozesse am Anfang auf Werkzeuge baut, die nicht sauber sind, hat später ein Problem.
Mit Pandora hat sie diesen Haken von Anfang an dran, weil Compliance und Governance bei uns im Fundament stecken und nicht nachträglich angeschraubt werden. Und sie bekommt Teams aus universellen digitalen Mitarbeitern, die mit ihr und ihren Leuten zusammenarbeiten. Welche Aufgaben das sind, entscheidet sie. Sie wird nicht in vorgefertigte Abläufe gepresst.
Ehrlich gesagt: Für manche ist genau diese Freiheit am Anfang auch eine Hürde. Nicht jeder weiß sofort, womit er anfangen soll. Fertige Anwendungsfälle haben wir heute noch wenige. Das wollen wir ändern, gemeinsam mit unseren Kunden. Jeder Anwendungsfall, den wir zusammen umsetzen, lässt sich festhalten und anderen zur Verfügung stellen.
So gesehen ist Pandora ein sicherer Sandkasten für das ganze Unternehmen. Ein abgeschotteter Spielplatz, auf dem man KI ausprobieren und Anwendungsfälle entdecken kann, weil vieles von vornherein geregelt ist. Mechanismen schützen vor Fehlern, sichern den Unternehmer ab und ermöglichen ihm, KI so einzusetzen, wie es der Gesetzgeber heute erwartet.
Darauf hat der Mittelstand gewartet.
## Wir suchen Mitstreiter
Ich will nichts beschönigen. Was unsere Kunden bekommen, funktioniert. Fertig im Sinne von rund ist Pandora aber noch nicht. In der Oberfläche gibt es Bereiche mit Luft nach oben, weil wir dort gerade unsere eigenen Ideen umsetzen. Da läuft mal etwas nicht so rund, wie man es sich wünscht, ein Link führt ins Leere, oder ein Bereich zeigt nur Beispieldaten als Vorschau auf das, was kommt. Unser Entwicklungsteam ist klein, und viele Ideen sind noch nicht zu Ende gebaut. Deshalb suchen wir jetzt Unternehmen, die damit umgehen können, die an die Idee glauben und uns eine Zeit lang mit etwas Geduld begleiten. Zahlende Kunden, ganz offen gesagt, denn wir wollen das Team vergrößern, und Rechenzentrumskapazität ist nicht billig. Gern auch Partner, die Pandora selbst weitervertreiben.
Was wir dafür bieten: die besten Konditionen, die es für Pandora geben wird. Gerade am Anfang geben wir unsere Einkaufspreise ohne Aufschlag weiter und nehmen nur eine kleine Gebühr für den Support. Dazu Zugang zu all unseren IT-Dienstleistungen als Managed Service Provider, ebenfalls zu Sonderkonditionen. Und wir freuen uns über jeden, der einfach mal ausprobieren möchte, auch mit einer kleinen Umgebung und wenigen Nutzern. Wer Pandora einmal wirklich genutzt hat, merkt den Unterschied selbst.
Am 12.10. sind wir auf der Gründungsmesse Niederrhein in Mönchengladbach. Kommt vorbei, schaut es euch an, und sprecht mich an. Wer nicht da sein kann: pandora.efiniti.de oder pandora@efiniti.de.
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Dieser Artikel ist im Gespräch mit meinem KI-Agenten Polyphides entstanden. Er hat mich interviewt und aus meinen Antworten den Text geformt. Seine DID `did:xrpl:7nnmlzx6#096bf25a` steht als Co-Autor in den Metadaten.